Die Tätigkeit eines Spezialeinsatzkommandos

Ein Spezialeinsatzkommando(SEK)* ist eine Spezialeinheit der Polizei.
In Deutschland verfügen die Polizeien aller Länder über mindestens ein SEK.
Die Spezialeinheiten des Bundes sind die 1972 gegründete Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) der Bundespolizei und die 1997 ins Leben gerufene Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) der Zollverwaltung.

SEKs sind, wie die GSG 9, nach dem terroristischen Anschlag während der Olympischen Spiele 1972 in München gegründet worden. In der Folge dieser Ereignisse beschloss die ständige Konferenz der Innenminister und Innensenatoren 1974 das „Konzept für die Aufstellung und den Einsatz von Spezialeinheiten der Länder und des Bundes für die Bekämpfung von Terroristen“.
Dieser Beschluss kann als die Geburtsstunde der Spezialeinheiten in Deutschland angesehen werden.

Die Tätigkeit eines SEK besteht in erster Linie in Zugriffs- und Schutzmaßnahmen.
Eingesetzt wird ein SEK zur Verhütung und Verfolgung von Straftaten von erheblicher Bedeutung und zur Abwehr von einer gegewärtigen Gefahr für Leib, Leben und Gesundheit, wenn dafür speziell geschulte und ausgestattete Kräfte notwendig sind.
Dies geschieht häufig im Rahmen der Ermittlungsarbeit einer polizeilichen Fachdienststelle, wenn dort Erkenntnisse über gravierende Straftaten vorliegen, oder bei Ad-hoc-Lagen. Dann fordern diese Dienststellen über ihre Bezirksregierung ein SEK an, das ihr über die „Koordinierungsstelle Spezialeinheiten“ des LKA zugeteilt wird.
Spezialeinsatzkommandos stehen insbesondere bei Geiselnahmen, aber auch bei brisanten Entführungsfällen im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Beispiele hierfür waren das Gladbecker Geiseldrama im August 1988 oder die Kaperung eines Touristikbusses in Köln 1995, Geiselnahmen in Gefängnissen und ähnliches.
Obwohl öffentlich viel beachtet, machen derartige Einsätze nur einen geringen Teil des SEK-Alltags aus.
Die meisten SEK-Einsätze finden in den Medien und der Tagespresse kaum Erwähnung und haben auch die Vollstreckung von Haftbefehlen, die Reaktion auf Selbstmordversuche, die Begleitung von Gefangenentransporten oder den Einsatz gegen verbarrikadierte Personen zum Inhalt, allerdings werden auch Razzien im Bereich der organisierten Kriminalität durchgeführt. SEKs können aber auch präventiv,
z.B. zum Schutz und Absicherung bei Staatsbesuchen oder Personen- sowie Zeugenschutz eingesetzt werden und sind vergleichbar mit den SWAT-Teams der US-amerikanischen Polizei.

Das SEK kann organisatorisch der Bereitschaftspolizei, dem Innenministerium oder auch einer großen überörtlichen Polizeidienststelle angegliedert sein. In den meisten Ländern jedoch sind die SEKs, möglichst gemeinsam mit den Mobilen Einsatzkommandos, den Landeskriminalämtern (LKA) organisatorisch angegliedert.
Die Struktur der SEKs im Detail ist von Land zu Land verschieden.
Manche Länder orientieren sich dabei an regionalen Kriminalitätsschwerpunkten. So haben beispielsweise Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz SEKs in mehreren größeren Städten eingerichtet, während in Bayern und Hessen zwei Einheiten existieren, die jeweils für die Nord- und die Südhälfte des Landes zuständig sind. Flächenländer mit vergleichsweise geringer Gewaltkriminalität wie Brandenburg haben hingegen ein SEK zentral eingerichtet, meistens in der Landeshauptstadt.
Das SEK Baden-Württemberg gehört als einziges SEK dem Atlas-Verbund** europäischer Polizei-Spezialeinheiten an.

Die Mitglieder eines SEKs sind speziell ausgebildete und intensiv trainierte Polizeibeamte.
Beim SEK finden nur Polizeibeamte Verwendung, die bereits im regulären Polizeidienst tätig waren
(i.d.R. mind. 2 Jahre) und die sich einem schwierigen Auswahlverfahren stellen müssen, um in die Spezialeinheit aufgenommen zu werden.
Gängig ist die Praxis einer Altersbegrenzung zwischen 23 und 34 Jahren für die Bewerber. Rein formal ist Frauen der Zugang zu den SEKs nicht verwehrt, wenngleich bisher wenige Polizistinnen in der Lage waren,
das Auswahlverfahren zu meistern.
Einzige Ausnahme ist hier das SEK des Stadtstaates Hamburg (in Hamburg als Mobiles Einsatzkommando / MEK) bezeichnet, da hier das MEK auch die Aufgaben eines SEK übernimmt), welches von Beginn an Frauen in allen Funktionen einschließlich den Zugriffskräften eingestellt hat. Laut den offiziellen Angaben der Einheiten selbst oder der jeweiligen Innenministerien dieser Länder gehörten oder gehören zum SEK Frankfurt am Main ebenfalls Frauen.
In der Regel wird von den Bewerbern nur ein geringer Anteil in das SEK aufgenommen. Das Anforderungsprofil setzt nicht nur auf eine überdurchschnittlich gute körperliche Kondition, sondern auch auf Charakterstärke, hohe Sozialkompetenz, Urteilsvermögen und Stressbelastbarkeit.
Bei erfolgreich bestandenem Aufnahmetest, der sich in physische und psychische Tests sowie ein Stressbelastungsgespräch des Bewerbers mit einem Gremium der Einheit, vielerortens bestehend aus dem Kommandeur, seinem Stellvertreter, einem Psychologen und einem erfahrenen Mitglied der Einheit, gliedert, erfolgt eine mehrmonatige Spezialausbildung, in der vor allem körperliche und psychische Belastbarkeit, aber auch das Eindringen in Gebäude, Fahr- und Klettertraining, Kampfsport (Ju-Jutsu) sowie umfassende Schießfertigkeit trainiert werden. Hierbei werden die SEK-Anwärter gezielt an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Leistungsfähigkeit gebracht.

Mitglieder eines SEK bekommen einen Gefahrenzuschlag von 150 € pro Monat zu ihrem Gehalt, wenngleich für sie oftmals andere Zulagen wegfallen können.
Je nach Länder müssen die Beamten die Zugriffskräfte eines SEKs beim Erreichen einer Altersgrenze, die bei etwa 45 Jahren liegt, wieder verlassen, werden aber meistens in adminitsrative oder ausbildene Stellen des SEKs integriert.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich innerhalb des SEKs zu spezialisieren, z.B. als Präzisionsschütze, Sprengtechniker, Schießfortbilder, Kradfahrer, Sport- und Eingriffstrainer.
Im Kommando werden in den Bereichen Sport, Eingriffstechnik, Schießen und über technische Neuerungen regelmäßig Fortbildungen veranstaltet. Um einen einheitlichen Qualitätsstandart zu erhalten, werden einmal jährlich Leistungsprüfungen im Sport, Schießen sowie einer Taktikübung durchgeführt.

SEK-Zugriffskräfte tragen schwere ballistische Schutzwesten und Helme, standardmäßig Pistolen und je nach Einsatzlage Maschinenpistolen, sowie Präzisionsschützen entsprechend Präzisionsgewehre verschiedener Ausführungen. Die Schutzausrüstung kann variieren und ist je nach Einsatzzweck bis zu 30 Kilogramm schwer. Um ihre Identität zu verbergen, tragen Beamte des SEK außerdem Sturmhauben. Die offizielle Begründung für diese Praxis ist der Schutz der Beamten und ihrer Angehörigen vor Racheakten und dem bei Enttarnung allgemein höherem öffentlichen Interesse des sozialen Umfelds und ferner die Erhaltung der Einsatzfähigkeit bei verdeckten Observationen, bei denen die Beamten nicht im vorhinein erkannt werden sollen. Außerdem dient die Maske psychologischen Zwecken (Einschüchterung des Täters).
Die Ausrüstung der SEKs kann von den Einheiten selbst ausgewählt werden und ist nicht an die Beschaffungspolitik der übergeordneten Landespolizei gebunden.
Außerdem benutzen SEK-Kräfte zivile, meist stark motorisierte Einsatzfahrzeuge verschiedenster Fahrzeughersteller mit Tarnkennzeichen, um im Alltagsverkehr nicht erkannt zu werden und um schnell zum Einsatzort gelangen zu können. Die hohe Motorleistung ist höchstwahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass das SEK ggf. an Verfolgungsjagden der Polizei teilnimmt.
Allgemein aber haben sich im Bereich der Schusswaffen die Pistolen Glock 17, Sig Sauer P228 und die Maschinenpistole Heckler & Koch MP5 + Varianten durchgesetzt, im Bereich der Präzisionsgewehre das
Heckler & Koch PSG1 und das Blaser R 93.
Seit Mitte der 1990er Jahre setzen immer mehr SEKs auch auf Schrotflinten zur Abwehr von Kampfhunden oder zur Öffnung von Türen. Weiterhin wurden von einigen der Einheiten auch Sonderwaffen angeschafft wie Präzisionsgewehre im übergroßen Kaliber .50 BMG, welche bei Einsatzlagen auf großen Freiflächen wie Flughäfen und Hafenanlagen aber auch auf Seen, bei Einsätzen im Hochgebirge und in Städten mit hohen Gebäuden wie Frankfurt am Main zum Einsatz kommen könnten.

Das SEK tritt sowohl in oben beschriebener „großer Einsatzmontur“ als auch zivil in Aktion, um bei Zugriffen auf Schwerkriminelle nicht von vorneherein erkannt zu werden.
Im Alltag auf der Dienststelle tragen die SEK-Beamten Einsatzoveralls, die in den meisten Bundesländern mit einem SEK-internen Abzeichen, der sog. „SEK-Schwinge“, versehen sind.

In puncto Einsatzhäufigkeit gibt es zwischen den Bundesländern durchaus Unterschiede; so sind die SEKs in Berlin, Frankfurt sowie im Ruhrgebiet am meisten mit Einsätzen belastet. Das SEK Berlin und Frankfurt bringen es seit Jahren auf Spitzenwerte von ca. 500 Einsätzen pro Jahr, die SEKs in NRW zusammen auf etwa 900 Einsätze.
Insgesamt haben die einzelnen SEKs seit ihrer Aufstellung in den frühen 1970er Jahren bis zu mehrere tausend Einsätze bewältigt.
In der Regel wurde nur bei einem verschwindend geringen Anteil dieser Einsätze von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. In keinem Bundesland übersteigt die Zahl des Schusswaffengebrauchs gegen Menschen (den Finalen Rettungsschuss mit eingeschlossen) die Marke von 10 Fällen.                                     Quelle: Wikipedia


* Während früher auch im amtlichen Sprachgebrauch Sondereinsatzkommando verwendet wurde, wird es heute nur noch umgangssprachlich verwendet, da der Begriff wegen der gleichnamigen SS-Spezialeinheit belastet ist.

** Der Atlas-Verbund vereint die 32 europäischen Polizei-Spezialeinheiten aller 27 EU-Mitgliedstaaten.
Die informelle Kooperationsstruktur wurde 2002 gegründet, ihre Wurzeln gehen aber auf das Jahr 1996 zurück.
Ziel des Atlas-Verbundes ist die Verbesserung der Kooperation von Polizei-Spezialkräften innerhalb Europas.

Ausrüstung
der Spezialeinsatzkommandos


ballist.Schutzhelm und Sturmhaube
Es werden verschiedene ballist.Helme verwendet (Ulbrichts Witwe AM95 & Zenturio05, Schuberth PB)
Als Beispiel zeigen wir den Ulbrichts Witwe AM91/95 mit schwarzer Nomex Sturmhaube
  

Nomex Einsatzkombi
Fast jedes SEK hat ihren eigenen Einsatzkombi, doch das was alle gemeinsam haben ist das leichte und besonders Feuerfeste Material Nomex.
Als Beispiel zeigen wir den Einsatzkombi der Firma Wispo
  

Einsatzhandschuhe
Die meisten Einsatzhandschuhe haben eine textile Schnittschutzeinlage und sind Schnitt- und Stichhemmend aber nicht Schnitt- oder Stichsicher! Viele Handschuhe sind gepolstert und haben somit einen Schlagschutz. Auch sind viele Handschuhe durch die Verwendnung von Nomex hitzebeständig. Die Handchschuhe werden individuell nach persönlichen Vorlieben getragen.
Als Beispiel zeigen wir die Hatch Operator Einsatzhandschuhe
  

ballist.Schutzweste
Es gibt verschiedene Westenhersteller, die die einzelnen SEKs mit ballistischen Westen versorgen. Als Hauptlieferant ist wohl die Fa.Mehler zu sehen. Trotz der unterschiedlichen Modelle haben die meisten Westen die selben Merkmale wie Überziehwestenkörper, Hals- und Tiefschutz. Um einen kompakteren Schutz zu bieten, werden mittlerweile auch vermehrt Oberarm- und Oberschenkelschutz getragen.
Als Beispiel zeigen wir ein älteres Modell der Mehlerweste des SEK Hannover
  

Geräte- und Einsatzwesten
Unzählige Hersteller für Gerätewesten gibt es auf dem Markt für taktisch.Equiptment und genau so viele verschiedenen Westenmodelle werden auch getragen. Die Westen werden schon mit einer festen Taschenanordnung oder Mollesystem zum variablen selbst bestücken angeboten. Es grenz schier ans Unmögliche alle Westenhersteller zu nennen, deshalb hier auch nur die, welche definitv verwendet werden,
wie Blackhawk, Eagle Industries und Condor.
Als Beispiel zeigen wir die Condor Modular Weste
 

Holster
Das breiteste Spektrum an Hersteller haben wohl die Holster - egal ob für Waffen oder Zubehör.
Für jede Handfeuerwaffe gibt es unterscheideliche Holster, ob mit taktischer Lampe oder ohne.
Die Hauptlieferanten der SEKs sind Safariland, Blackhawk und Uncle Mike´s
Als Beispiel zeigen wir den Uncle Mike´s Pro3 Tacticalholster
  

Koppel
Es werden verschiedene Einsatzkoppel getragen. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf stabilem Material und Funktionalität. Die meisten Einsatzkoppel haben ein Klettsytem, durch das sie einfach an einem Unterkoppel befestigt werden können.
Am Koppel werden individuell Ausrüstungtaschen für Handschellen, Tonfas, Pfefferspray etc. getragen.
 

Schuhwerk
Auch Einsatzstiefel werden je nach Trägervorliebe getragen, die verbreitesten sind wohl welche der Hersteller HAIX und Adidas. Alle Einsatzstiefel sind meist wadenhoch, besitzen eine "Sicherheitssohle" und sind äußerst robust.
Als Beispiel zeigen wir den Einsatzstiefel Adidas GSG9.2.
  

Standorte und Mannstärke
Spezialeinsatzkommandos

 Bundesland

 Standort

 Mannstärke

Baden-Württemberg   Göppingen 83 Mann 

Bayern Nord
Bayern Süd

Nürnberg
München

80 Mann
80 Mann

Berlin

Berlin

77 Mann

Brandenburg

Potsdam-Eiche

60 Mann

Bremen

Bremen

33 Mann

Hamburg

Hamburg

86 Mann

Hessen Nord
Hessen Süd

Kassel
Frankfurt

60 Mann
60 Mann

Mecklenburg-Vorpommern

Waldeck  

50 Mann

Niedersachsen

Hannover

76 Mann

Nordrhein-Westfalen

Bielefeld
Dortmund
Düsseldorf
Essen
Köln
Münster

36 Mann
40 Mann
42 Mann
55 Mann
60 Mann
50 Mann

Rheinland-PfalzWittlich

175 Mann

Saarland

Saarbrücken

36 Mann

Sachsen

Leipzig

99 Mann

Sachsen-Anhalt

Magdeburg

90 Mann

Schleswig-Holstein

Eutin

46 Mann

Thüringen

Erfurt

61 Mann